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Presseartikel zum 10jährigen Jubiläum

Heinrichsblatt Nr. 19

Bildungshaus Obertrubach feiert "runden Geburtstag"

Zehn Jahre Begnungsstätte

Obertubach (aki) – Auf ihr zehnjähriges Bestehen kann jetzt die Arbeitnehmerbildungs- und Begegnungsstätte Obertrubach zurückblicken. Dies feiert sie am Samstag, 9 Mai.

Das Bildungshaus wird von der Katholischen Betriebsseelsorge, der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ), dem Erzbistum Bamberg sowie dem Diözesanverband und dem Kreisverband Bamberg-Stadt der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) getragen. Früher waren auf dem Gelände ein Pfarr- und Gemeindehaus sowie ein Jugendzentrum und eine Hauswirtschaftsschule. Als 1992 die Hauswirtschaftsschule aufgelöst wurde, weil es keine Neuanmeldungen gab, ergriff der damalige Betriebsseelsorger Domvikar Bernhard Simon (jetzt Monsignore und Pfarrer in Hollfeld) die Gelegenheit beim Schopfe, um dort ein Bildungshaus einzurichten.

Das Erzbischöfliche Ordinariat genehmigte 1993 das Errichten einer Arbeitnehmerbildungs- und -begegnungsstätte. Die Diözese stellte das Gelände mit den Gebäuden und zwei Millionen Mark für den Umbau zur Verfügung. Der KAB-Bezirksverband (jetzt Kreisverband) Bamberg-Stadt gab eine weitere Million Mark für den Umbau.

Nachdem 1994 eine entsprechende Stiftung gegründet worden war und 1997 die Bayerische Landesstiftung und die Oberfrankenstiftung jeweils einen Zuschuss von 600 000 Mark bewilligt hatten und die bayerische Staatsregierung zwei Millionen Mark gab, begann der Bau und am 2. Mai 1999 weihte Erzbischof Dr. Karl Braun den fertig gestellten ersten Bauabschnitt ein.

Die Jubiläumsfeier am Samstag, 9. Mai, zu der alle Interessierten eingeladen sind, beginnt um 11:30 Uhr mit einem Frühschoppen, den die Jugendblaskapelle Obertrubach musikalisch verschönert. Um 13:30 Uhr beginnt der Festakt. Betriebsseelsorger Dr. Manfred Böhm hält den Festvortrag über das Thema "Der Vision von Gerechtigkeit einen Ort geben". Ab 16:00 Uhr wird Unterhaltung mit dem Liedermacher Sepp Raith geboten. Zum Abschluss zelebriert um 18:00 Uhr in der Pfarrkirche Obertrubach Domdekan Prälat Herbert Hauf den Festgottesdienst. Während des ganzen Tages gibt es natürlich Speisen und Getränke. Außerdem kann man die Anlage besichtigen und Ausstellungen über die Einrichtungen sind zu sehen.

Datum: 06.05.2009
Autor: Heinrichsblatt (aki)

 

Presseinformationen aus dem Trubachtal

Nur Rechte und Linke sind hier nicht zu Hause

Festakt

Das Bildungshaus Obertrubach hat sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Die Liste der Ehrengäste war lang und die lobenden Worte für die Einrichtung nahmen kein Ende.

„Zehn Jahre, eigentlich gar kein großes Jubiläum, aber was hier auf dem Gelände des ehemaligen Marienheimes in den letzten Jahren so alles gewachsen und entstanden ist, ist schon großartig und bedarf der Würdigung“, so Udo Scherzer, als er im Namen des Stiftungsrates den Festakt zum 10-jährigen Bestehen des Bildungshauses Obertrubach eröffnete.

Zusammenleben und unterschiedlich sein

Das Bildungshaus sei für Alt und Jung, seien sie bei CAJ, KAB, auf Veranstaltungen der Betriebsseelsorge, Gewerkschaft, Kirchen Firmen, für Arbeiter und Angestellte. Nur mit einer Einschränkung: rechte und linke Gruppen fänden hier keinen Platz.

Die Liste der Ehrengäste war dann auch ungewöhnlich lang. Scherzer begrüßte unter anderen Regionaldekan Georg Holzschuh, Dekan Hans Hübner, den örtlichen Pfarrer Werner Wolf und CAJ-Kaplan Lars Rebhan. Er erinnerte an Architekt Karl-Heinz Rottmann von der Bauabteilung des Ordinariats, von dem viele Ideen für das Bildungshaus kamen, oder auch an den Künstler Johannes Schreiber, der die schöne Glasintarsie im Meditationsraum schuf.

Der Landkreis war durch den zweiten Landrat Georg Lang vertreten, die politische Gemeinde durch zweiten Bürgermeister Markus Grüner. Als offizieller Repräsentant der Kirche war Prälat Herbert Hauf anwesend, der auch am späteren Nachmittag noch den Festgottesdienst in der St. Laurentiuskirche zelebrierte.

Zur Freude aller hatte Alterzbischof Dr. Karl Braun sein Erscheinen unter Vorbehalt zugesagt. Er hat die Gründung des Bildungshauses hautnah miterlebt und auch die Einweihung vollzogen. Letztlich aber erlaubte sein Gesundheitszustand die Anreise nicht.

Arbeitgeber und Persönlichkeitsschmiede

„Die Bildungsstätte ist ein Segen für die Gemeinde Obertrubach und weit darüber hinaus“ betonte Markus Grüner. Es fördere den Fremdenverkehr, sei ein bedeutender Arbeitgeber und biete darüber hinaus interessante Einrichtungen für die Jugend und Gemeinde allgemein.

Die Bedeutung der Bildung unterstrich er mit einem Wort von Mark Twain: „Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn der letzte Dollar weg ist“.

Bilden heißt auch Formen der Persönlichkeit, meinte stellv. Landrat Georg Lang. Zum Wissen gehörten aber unbedingt auch ethische Grundsätze. „Der Vision von Gerechtigkeit einen Ort geben“, so lautete das Hauptreferat des Festaktes, gehalten vom Vorsitzenden des Stiftungsrates Dr. Manfred Böhm. Gerechtigkeit müsse nicht erst im Himmel, sonder hier ihren Anfang nehmen, betonte er, Bezug nehmend auf den zweiten Petrusbrief (3,13). So bräuchten Vision demnach konkrete Orte und Wohnstätten. Und ein solcher Ort unter vielen habe von Anfang an auch das Arbeitnehmerbildungshaus Obertrubach sein wollen. Er dankte in diesem Zusammenhang der Erzdiözese als größten Geldgeber, die auch für die Zukunft mittelfristig Zuschüsse zugesagt habe. Drei Hauptpunkte führten durch den Vortrag. So die Vision eines würdigen Lebens für alle. Gerechtigkeit und Chancengleichheit hinterfragte er kritisch. Die Gesellschaft brauche einen starken Sozialstaat. Untrennbar damit verbunden die Demokratie. Der zweite Hauptpunkt war die Vision einer solidarischen Gesellschaft. Hart ging er hier mit Hartz IV ins Gericht, einem „staatlich inszenierten Verarmungsprogramm für die Unterschicht“, eklatant im Widerspruch zum Sozialwort der beiden Kirchen Deutschlands von 1997.

Ein Zuhause für Arbeitnehmer

Das Arbeitnehmerbildungshaus in Obertrubach wolle Arbeitnehmern Heimat sein, Raum für Gespräch und Austausch. Schließlich ging Dr. Böhm noch auf die Vision einer ressourcenorientierten Bildung ein, wo vor „lauter Premium- und Exzellentbildung“ die Breitenbildung sträflich vernachlässigt werde. Im Bildungshaus fänden unter Federführung der CAJ und des Erzbischöflichen Jugendamtes kontinuierlich Orientierungstage für Hauptschüler und so genannte Belregio Seminare, berufsvorbereitende Motivationsseminare für Hauptschüler statt.

Das Haus hat eine stolze Ausbildungsquote von 20 Prozent, vorwiegend Hauptschüler. Gerechtigkeit bringt Frieden hervor“, fasste der Referent seine richtungsweisenden Gedanken zusammen. Teilhabe durch Teilen – das sei unsere Zukunft. Auf visionäres Denken und utopisches Überlegen könne dabei nicht verzichtet werden.

Scheck sichert neuen Ausbildungsplatz

Eine richtig große Überraschung hatten anschließend Luise Müller und Winfried Zawidzki von der CAH – Christliche Arbeitshilfe – parat. Sie übergaben für das Bildungshaus an Dr. Böhm einen stolzen Scheck von 17.000 Euro als Spende. Damit kann die Hälfte eines neuen Ausbildungsplatzes von 2009 - 2011 in der Verwaltung finanziert werden.

Udo Scherzer vergaß auch nicht, allen zu danken, die diesen feierlichen Tag mitgestaltet hatten und auch sonst im Bildungshaus tätig sind. Musikalisch umrahmten einmal mehr Christoph Michael Pesch an der Gitarre und Christine Hutzler an der Querflöte den Festakt.

Kochbuch für Lieblingsrezepte

Immer wieder wird das Personal auf die gute Küche im Bildungshaus von Gästen angesprochen. Und so kam Sabrina Reichelt, Azubi für Hauswirtschaft im 3. Jahr, auf die Idee, das Thema „Lieblingsrezepte“ zum Projekt zu machen. Viel musste ausgetestet werden, bevor es schriftreif war.

Jetzt liegt nach einem Jahr intensiver Arbeit ein Kochbuch mit einer Auflage von 800 Exemplaren auf. Für 10 Euro gingen die ersten Exemplare reisend weg. Drei Euro kommen jeweils dem neuen Ausbildungsplatz zugute.

Elvira Otzmann, Betriebsleiterin Hauswirtschaft, ist mächtig stolz auf ihren Schützling. Sabrina Reichelt belegte jüngst hervorragende Plätze unter den ersten zehn bei Berufswettbewerben in Freising und Ingolstadt.

Autor: gal

 

Heinrichblatt Nr. 21

Die Arbeitnehmerbildungs- und -begegnungsstätte Obertrubach feierte ihr erfolgreiches, zehnjähriges Bestehen

„Visionen brauchen konkrete Wohnstätten“

 Schon zehn Jahre lang ist sie erfolgreich in Betrieb: Die Arbeitnehmerbildungs- und -begegnungsstätte Obertrubach im Erzbistum Bamberg. Dies war ein Anlass, in Obertrubach „runden Geburtstag“ zu feiern. Dabei gab es auch ein 17000-Euro-„Geburtstagsgeschenk“.

Zu Beginn des Festaktes betonte Udo Scherzer, Stiftungsratsmitglied und Vorsitzender des Fördervereines des Bildungshauses, das Bildungshaus sei nach allen Seiten offen – aber rechte und linke Gruppen hätten darin keinen Platz. Der 2. Bürgermeister Obertrubachs Markus Grüner lobte die enge Zusammenarbeit der Bildungsstätte und der politischen Gemeinde. „Das Bildungshaus ist ein Segen für die Kommune und die Region“, erklärte er. Stellvertretender Landrat Georg Lang meinte, Bildung sei das wichtigste Gut in Deutschland. Aber es sei auch ethisches Wissen nötig, damit man das viele andere Wissen anzuwenden verstehe. Diese Art Bildung werde in der Begegnungsstätte vermittelt.

Dr. Manfred Böhm, Vorsitzender des Stiftungsrates des Arbeitnehmerbildungshauses, stellte zu Beginn seiner Festrede die Frage, ob man heute noch ernsthaft Visionen einer gerechten Gesellschaft haben könne, ohne als Sozialromatiker und idealistischer Träumer abgetan zu werden? „Wir kenne doch alle die pragmatischen Argumente, die wie Bollwerke unüberwindlich dem entgegen stehen: Die Sachzwänge und die Finanzierungsvorbehalte, die Wirtschaftlichkeitsgutachten, die Strukturblockaden und nicht zuletzt die Zuständigkeitsquerelen“.

Die Bibel liefere aber eine visionäre Botschaft vom Reich Gottes, einem Reich der Gerechtigkeit und des Friedens. Sie stelle die Welt mit ihren Sachzwängen und Strukturblockaden unter einen Vorbehalt – den Vorbehalt, „dass alles relativ und zweitrangig ist angesichts dessen, worauf es wirklich ankommt; das Reich Gottes“. Wobei dieses Reich nicht nur im Himmel, sondern teilweise schon hier zu erreichen sei.

„Visionen brauchen konkrete Orte und Wohnstätten. Ansonsten sind sie nur belanglose Glasperlenspielereien“, betonte Betriebsseelsorger Böhm. Ein solcher Ort unter vielen wolle das Arbeitnehmerbildungshaus in Obertrubach von Anfang an sein. „Ein Haus, in dem sich Menschen aus verschiedenen Milieus und Gruppen der Arbeitswelt treffen und zwanglos begegnen können... Ein Haus, in dem alle in unterschiedlicher Weise und Intensität lernen, wie die Welt gerechter, solidarischer und menschenwürdiger wird und vor allem, was wir als Individuen gemeinsam dafür tun können.“

Das Haus lebe und sei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ein Stück Heimat geworden, das ihnen die Kirche zur Verfügung stellt. „Dafür ist allen zu danken, die mit ihrem Einsatz, mit ihrer Zeit und nicht zuletzt mit ihrem Geld die Bedingungen für gutes Arbeiten hier geschaffen haben. Namentlich möchte ich die Erzdiözese hervorheben. Sie war nicht nur in der Vergangenheit immer der größte Geldgeber, auch für die Zukunft hat sie mittelfristig Zuschüsse zugesagt, die ein qualitatives Weiterarbeiten möglich machen. Herzlichen Dank dafür“.

Drei Visionen nannte Böhm, die unter anderem im Bildungshaus eine tragende Rolle spielen sollten. Eine sei die Vision eines würdigen Lebens für alle. Chancengleichheit sei eine unerlässliche Dimension sozialer Gerechtigkeit. Aber die brauche die „Unterfütterung“ durch ausgleichende Verteilungsgerechtigkeit. Gleiches müsse gleich, Ungleiches ungleich behandelt werde – so laute ein Grundsatz der katholischen Soziallehre. Werde Ungleiches gleich behandelt, würden soziale Schieflagen zementiert. „Darum braucht es zur Stabilisierung und Befriedung der Gesellschaft einen starken Sozialstaat, der allen Menschen und eben in besonderer Weise den Menschen der Unterschicht ein Leben in Würde garantiert“.

Die zweite Vision sei die einer solidarischen Gesellschaft. Solidarität brauche eine verlässliche Struktur, in der die Interessen aller Berücksichtigung finden und die vor allem eins verhindern müsse: dass ganze Bevölkerungsgruppen abgehängt werden und in die soziale Deklassierung driften. „Hartz IV als ein staatlich inszeniertes Verarmungsprogramm für die Unterschicht widerspricht vielleicht am eklatantesten jener Vision einer solidarischen Gesellschaft, wie sie im Sozialwort der beiden Kirchen Deutschlands 1997 formuliert worden ist: ,In der Perspektive einer christlichen Ethik muss darum alles Handeln und Entscheiden in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft an der Frage gemessen werden, inwiefern es die Armen betrifft und ihnen nützt‘“.

Die dritte Vision sei eine Ressourcen orientierte Bildung für alle. So habe sich das Haus in Obertrubach von Anfang an als ein Ort verstanden, der sich besonders der Bildung und Ausbildung junger Menschen verschreibt. So fänden unter der Federführung der CAJ und des Erzbischöflichen Jugendamtes kontinuierlich Orientierungstage für Hauptschüler und „Belregio Seminare“ (berufsvorbereitende Motivationsseminare für Hauptschüler) in dem Haus statt. Auch die betriebliche Ausbildungspraxis komme nicht zu kurz. Sowohl im Hauswirtschaftsbereich wie auch in der Verwaltung werde hier ausgebildet – und zwar vor allem Hauptschüler. „Zuzeiten hatten wir eine Ausbildungsquote von über 20 Prozent der Gesamtbelegschaft. Darauf sind wir stolz und es ist uns auch eine Verpflichtung, gerade auch auf diesen Punkt weiterhin großes Augenmerk zu legen“, unterstrich der Festredner.

Um dies auch weiterhin zu ermöglichen, überreichten stellvertretende KAB-Diözesanvorsitzende Luise Müller und Winfried Zawidzki im Namen der CAH (Christliche Arbeiter-Hilfe) an Böhm einen Scheck von 17000 Euro. Damit ist für 2009 bis 2011 ein halber Ausbildungsplatz finanziell gesichert. Auch das neue Kochbuch, das eine Auszubildende des Hauses zusammenstellte, dient diesem Zweck. Vom Preis von zehn Euro werden drei Euro für einen Ausbildungsplatz „abgezweigt“.

Träger des Bildungshauses ist die Erzdiözese Bamberg, die KAB, die CAJ und die Betriebsseelsorge.

Datum: 20.05.2009
Autor: Andreas Kirchhof - Heinrichsblatt

 

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